Rheostatisches Bremsen

Wissens-Happen #31: Rheostatisches Bremsen

Die Notbremse über den „elektronischen Kaugummi“

In Lektion 29 haben wir gelernt: Wenn der Akku randvoll ist, darf kein Bremsstrom mehr in den Akku fließen, sonst brennt der Controller durch. Der Controller nutzt in diesem Moment einen genialen Trick, um dich trotzdem sicher abzubremsen, ohne den Akku zu benutzen: Er schaltet auf die Widerstandsbremse (rheostatische Bremse) um.

Dabei nutzt er einfach die Kabel und den Motor selbst als Bremse.

Die Analogie: Die Magnet-Rutschbahn

Stell dir vor, du rollst mit einer schweren Kugel aus purem Eisen eine Rutschbahn aus Holz hinunter. Die Kugel rollt unendlich schnell, nichts hält sie auf.

Jetzt tauschen wir die Holzrutsche gegen eine Rutschbahn aus dickem Kupfer aus. Die Rutsche hat keinen Strom, sie hat keine mechanischen Bremsen und ist spiegelglatt. Trotzdem passiert etwas Magisches:

Sobald die Eisenkugel auf das Kupfer trifft, wird sie schlagartig abgebremst, als würde sie durch zähen Kaugummi rollen.

Warum? Weil ein rollender Magnet über Metall ganz von alleine eine unsichtbare Bremskraft erzeugt.

Wenn du die Kugel mit Gewalt da durchprügelst, wird die Kupferschiene nach kurzer Zeit tierisch heiß.

Was macht der Controller im Hintergrund?

Wenn du die Bremse ziehst und der Akku voll ist, macht der Controller die Leitung zum Akku komplett zu. Stattdessen verbindet er die drei dicken Motorkabel (Blau, Gelb, Grün) auf der Platine direkt miteinander.

Der Motor wird dadurch im Inneren absichtlich „kurzgeschlossen“.

Weil sich dein Reifen beim Fahren dreht, rasen die starken Magnete im Reifen an den Kupferspulen im Inneren vorbei.

Durch den Kurzschluss der Kabel entsteht im Motor sofort ein riesiger, im Kreis fließender Strom.

Dieser Strom erzeugt ein unsichtbares, magnetisches Gegenfeld, das sich der Drehung des Reifens mit aller Kraft entgegenstellt.

Es ist, als würde der Motor sich künstlich in zähflüssigen Kaugummi verwandeln. Die Magnete im Reifen werden magnetisch festgehalten und dein Scooter bremst brutal ab.

Wo bleibt die Energie?

Da der Strom nicht in den Akku fließen darf, muss die ganze Energie irgendwo hin. Sie quetscht sich mit voller Wucht durch die Motorkabel und die Spulen.

Dadurch wird die Bewegungsenergie zu 100 % in Hitze umgewandelt. Wenn du also einen langen Berg mit vollem Akku herunterfährst, glüht dein Motor innerlich regelrecht auf. Der Controller überlebt, aber der Motor muss die ganze Hitze schlucken.

Merke: Rheostatisches Bremsen ist wie ein kontrollierter Kurzschluss. Der Controller verbindet die Motorkabel miteinander, wodurch der Motor ein unsichtbares Magnetfeld erzeugt, das sich selbst blockiert. Es lädt zwar den Akku nicht, rettet dir aber bei 100 % Ladung den Controller vor dem Durchbrennen!

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